Hier handelt es sich um einen nützlichen Artikel, den ihr in Original auf WebAIM nachlesen könnt. Diesen Artikel haben wir auf deutsch übersetzt, da er auch unsere Besucher interessieren müsste. Es geht um die Barrierefreiheit für Media Player für Menschen mit Behinderungen.

Einleitung

Beim Liefern von Multimedia-Content über die 3 großen Media Player (Windows Media Player, Quicktime und RealMedia Player) muss der Entwickler entscheiden, ob er dem Zuschauer den Zugang zu Content über einen eingebetteten Player auf der Webseite oder über einen Standalone-Player anbieten will. Beide Methoden haben ihre Vorteile. Die Einbettung eines Players in die Webseite erlaubt dem Nutzer den Zugang zum Content ohne andere Applikationen zu öffnen. Bei den Standalone-Playern gibt es normalerweise mehr Einstellungsmöglichkeiten.

Methoden

Wir haben die Barrierefreiheit von jedem der Media Player als eingebettete Objekte in Webseiten und als Standalone-Applikationen getestet. Die Player wurden auf Tastatur-Barrierefreiheit (d.h. die Möglichkeit das Medium nur über die Nutzung der Tastatur zu steuern) und auf die Barrierefreiheit für Bildschirm-Leser (konnte der JAWS-Bildschirm-Leser die Menüs und die Buttons erkennen) getestet. Diese Tests wurden auf einem Pentium II 433 Mhz PC mit 128 MB RAM und Windows 98 SE durchgeführt.

Notiz: Obwohl es möglich ist die Tastatur-Barrierefreiheit von eingebetteten Multimedia-Playern zu verbessern, indem man JavaScript nutzt, um Tastatur-Shortcuts für die Wiedergabe-Kontrolle hinzuzufügen, beinhalten die Ratings unten diese zusätzliche JavaScript Funktionen nicht. Die Ratings reflektieren die Barrierefreiheit der Media Player, wenn keine zusätzlichen Scripte eingebunden sind.

Das Rating der Barrierefreiheit geht auf einer Skala von 1 bis 7. Eine Bewertung mit 1 bedeutet, dass die Applikation komplett unzugänglich ist. Eine Bewertung mit 7 bedeutet, dass alle Features der Applikation überr die Nutzung einer Tastatur zugänglich sind.

Resultate für die Barrierefreiheit

Tabelle 1 – Media Player Rating Überblick
Player Typ Barrierefreiheit Rating
RealMedia Player 8 Basic Eingebettet 1
RealMedia Player 8 Basic Standalone 4
RealOne Player Basic Eingebettet 1
RealOne Player Basic Standalone 6
Quicktime Player 5 Eingebettet 4
Quicktime Player 5 Standalone 4
Quicktime Player 6 Eingebettet 4
Quicktime Player 6 Standalone 4
Windows Media Player 7 Eingebettet 1
Windows Media Player 7 Standalone 6
Window Media Player Series 9 Eingebettet 1
Window Media Player Series 9 Standalone 6

RealMedia Player 8 Basic

Eingebettet

Der eingebettete RealMedia Player war komplett unzugänglich. Der Bildschirm-Leser übersprang komplett den Inhalt und es gab keinen Weg den Player mit der Tastatur zu kontrollieren. Der Player begann automatisch zu spielen, sobald die Seite geladen wurde. Der einzige Weg den Player neu zu starten war aber das Neuladen der Seite.

Standalone

Die Standalone-Version des RealMedia Player 8 ist besser zugänglich als die eingebettete Version. Der Nutzer kann den Player mit Hilfe von Menüs stoppen und starten. Dennoch sind die Menüs die einzigen zugänglichen Objekte des Players und sie sind unzureichend, um dem Nutzer die komplette Kontrolle zu geben. Man kann zum Beispiel nicht die Lautstärle mit Hilfe der Menüs einstellen.

RealOne Player Basic

Eingebettet

Wie bei dem Vorgänger war auch hier der eingebettete Media Player komplett unzugänglich für die Tastatur und für JAWS. Im Internet Explorer wurde all der andere Inhalt der Seite für die Tastatur unzugänglich, da der Fokus auf dem RealOne Player lag. Somit war die gesamte Seite unzugänglich. Diese Erfahrung wurde nicht im Netscape Navigator gemacht.

Standalone

RealOne´s Standalone-Player ist viel zugänglicher als der RealPlayer 8. Shortcut-Tasten erlauben die Kontrolle über fast die gesamten Funktionen der Wiedergabe. Die Menüpunkte sind vorhanden und werden von JAWS gelesen, obwohl da auch einige verwirrende Informationen beim Navigieren der Menüs präsentiert wurden. Der eingebaute Webbrowser war zugänglich, aber das Umschalten vom Browser zum Media Player ist schwer ohne die Nutzung der Menüs, welche nicht von JAWS gelesen werden. Die Tab-Taste hilft beim Umschalten zwischen der Browseransicht und dem Media Player.

Quicktime Player 5 & 6

Notiz: Es gab keine bemerkbaren Unterschiede in der Barrierefreiheit zwischen Quicktime 5 und 6

Eingebettet

Der eingebettete Quicktime player erlaubt dem Nutzer das Starten und Stoppen des Inhalts mit Hilfe der Leertaste oder der Enter-Taste. Die linke und rechte Pfeiltaste erlaubt dem Nutzer in einem nicht-gestreamten Video vor und zurück zu spulen. Die oben und unten Tasten kontrollieren die Lautstärke. Kontextmenüs sind nicht vorhanden.

Standalone

Quicktime´s Standalone Player erlaubt es dem Nutzer das Medium mit der Benutzung der Tastatur zu kontrollieren. Der Player kann mit Hilfe der Leertaste pausiert und gespielt werden. Mit der linken und rechten Pfeiltaste kann man vor- und zurückspulen. Mit der oben und unten Taste kann man lauter und leiser machen. Obwohl die Menüs für die Tastatur zugänglich waren, konnte JAWS diese nicht lesen.

Windows Media Player 7

Eingebettet

Der Windows Media Player 7 ist nicht barrierefrei zugänglich, wenn er in einer Webseite eingebettet ist. JAWS springt über den Player, als ob dieser nicht da wär. Es gibt auch keine Möglichkeit den Player mit der Tastatur zu steuern.

Standalone

Alle Funktionen im Interface können über das leicht zugängliche Menü-System kontrolliert werden. Es gibt auch die Tastatur-Shortcuts für die meistgenutzten Funktionen wie dem Einstellen der Lautstärke, dem Wiedergeben des Mediums, usw.

Windows Media Player Series 9

Eingebettet

Windows Media Player 9 ist nicht über die Tastatur zugänglich, wenn dieser eingebettet ist und  JAWS springt über den Player, als ob
dieser nicht da wär.

Standalone

Der Standalone-Player ist vollkommen barrierefrei zugänglich. Die Nutzer haben Zugang zu den Funktionen über die Tastatur, obwohl Beschreibungen ruhig etwas anschaulicher sein für JAWS sein könnten und die Lesereihenfolge war nicht logisch. Viele Stellen wurden vom JAWS gelesen, obwohl das keinen Sinn machte und manche Stellen erschienen als gelesen, obwohl diese nicht sichtbar im Interface zu sehen waren. Der integrierte Webbrowser ist auch etwas barrierefrei zugänglich. Tastatur-Shortcuts bieten volle Kontrolle über das Medium. Mit Hilfe eines Shortcuts ist es möglich die Untertitel ein- und auszuschalten und die Sprache einzustellen, obwohl der Shortcut-Knopf einen Konflik mit dem JAWS Shortcut hatte und nicht in JAWS funktionierte (obwohl gerade ein Bildschirm-Leser-Nutzer wahrscheinlich etwas Nutzen in Untertiteln finden würde). Überraschend wurden die meisten störenden Informationen nicht mehr angezeigt als man den Player im Skin-Modus spielte. Die Barrierefreiheit und der Zugang über die Tastatur und den Bildschirm-Leser erhöhten sich, obwohl das Lesen und die Tab-Reihenfolge der Elemente auf der Distanz von der linken oberen Ecke des Players abzuhängen schienen.

Fazit

Die Standalone-Versionen der 3 Media Player sind weit mehr barrierefrei zugänglich als die eingebetteten Versionen. Von den 3 Standalone Playern präsentierten Windows Media Player und RealOne Player ein hohes Level der Barrierefreiheit. In allen Fällen waren neuere Versionen der Media Player mindestens genau so barrierefrei, wie die Vorgänger, wenn auch nicht exponentiell. Je nach Möglichkeit ist es wohl eine gute Idee dem Nutzer mehrere Zugriffsmöglichkeiten zu deinem Media Content zu bieten.